Antworten zu häuslicher Pflege,
Gesundheit und Wohnen im Alter

23. Oktober 2017

5 gute Gründe für das Ende der Altenpflege

5 gute Gründe für das Ende der Altenpflege

Die Bundesregierung will die Kranken- und die Altenpflegeausbildung zusammenlegen. Berufsverbände und Heimbetreiber beklagen, damit verschwände der Beruf des Altenpflegers. Sie haben Recht. Aber es wäre gut so.Die Idee, Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege zu einem einzigen Ausbildungsberuf zu machen, stammt bereits aus den 1990er Jahren. Unzählige Modellprojekte, Arbeitsgruppen, Kommissionen und vier Bundesregierungen später soll die Sache jetzt endlich Wirklichkeit werden.

Die Pflege- und Gesundheitslandschaft in Deutschland wird sich dadurch deutlich verändern. Denn wenn die Ausbildung jeder Pflegekraft auch die Tür zu einem Job im Krankenhaus öffnet, gibt es einen Konkurrenzkampf zwischen den Institutionen. Gewinner wird nicht die Altenpflege sein, die Personalnot in den Heimen nimmt weiter zu.

Was also spricht dafür, die Berufe zusammenzulegen?

1. Eine medizinisch begründbare Abgrenzung zwischen Krankheit und Pflegebedürftigkeit gibt es nicht und hat es nie gegeben. (Deutschland und Österreich sind die einzigen Länder in Europa, die eine Trennung zwischen Kranken- und Altenpflege kennen.)
Wer in einem Heim lebt und einen Dekubitus hat, ist pflegebedürftig. Aber er ist natürlich auch krank im Sinne von nicht gesund. Und seine Krankheit ist heilbar, ein Dekubitus kann auch wieder verschwinden. Es ist heute sogar erklärtes Ziel (fast) aller Pflegeaktivitäten, den Gesundheitszustand eines Betroffenen zu verbessern. Altenpflege ist also sowieso immer auch Krankenpflege.

2. Das gilt auch umgekehrt: Fast 40 Prozent der Patienten von Krankenhäusern sind 70 Jahre alt und älter. Tendenz: stark steigend. Also brauchen auch Krankenhäuser dringend jene „Experten für das Alter“, von denen Altenpflegeverbände so gerne sprechen.
Anders gesagt: Je mehr sich die „Zielgruppen“ von Krankenhäusern und Altenheimen angleichen, desto wenige sinnvoll sind getrennte Ausbildungen.

3. Inhaltlich ist die Zusammenlegung nur ein kleiner Schritt, von dem alle profitieren. Bereits 2010 schrieben die Autoren eines Forschungsgutachtens im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft:
„In bundesweiten Modellversuchen wurde gezeigt, dass eine Zusammenführung der Ausbildung von Gesundheits- und (Kinder)Krankenpfleger und Altenpfleger aus inhaltlicher Sicht aufgrund der großen Ähnlichkeit der Unterrichtsinhalte relativ unproblematisch ist und zu einer höheren Qualität der Ausbildung führen kann.“

4. Für eine Fusion spricht auch das schlechte Image der Altenpflege. Das Ansehen des Berufs ist katastrophal und nicht zu retten. Weil der Job durch das rasch zunehmende Durchschnittsalter der Patienten immer belastender ist und weil es systembedingt auch weiterhin Skandale geben wird, die dem Ansehen der Branche schaden.
Einziger Ausweg ist das Verschwinden der Berufsbezeichnung Altenpfleger.

5. Die mit der Einführung der Pflegeversicherung vor 20 Jahren entstandene Professionalisierung des Kümmerns ist insofern gescheitert, als sie nicht zu befriedigenden, den Wünschen der Menschen entsprechenden Versorgungsstrukturen geführt hat. Sondern zu unterversorgten Menschen, sehr vielen Heimen und einer ganzen Branche am Rande des Burnouts.
Was fehlt, sind gut organisierbare und bezahlbare Möglichkeiten, die letzten Jahre daheim zu verbringen.Wenn es weiniger Heime gibt, weil niemand dort arbeiten will (sondern lieber im Krankenhaus), dann entsteht vielleicht (auch dadurch) jener Druck, den die Gesellschaft braucht, um die dringend benötigten anderen Strukturen zu schaffen.