Antworten zu häuslicher Pflege,
Gesundheit und Wohnen im Alter

23. Oktober 2017

Kann ich Kosten der Pflege von der Steuer absetzen?

Kann ich Kosten der Pflege von der Steuer absetzen?

Pflegebedürftige können die Kosten der Pflege als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Außerdem sind extern eingekaufte und selbst bezahlte Betreuungsleistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen zu 20 Prozent absetzbar.

Das heißt: Ein Fünftel dessen, was Sie für diese Dienstleistungen bezahlt haben – höchstens aber 4.000 Euro pro Jahr – können Sie als abziehbare Kosten in die Steuererklärung schreiben. Voraussetzung ist, dass sie die haushaltsnahen Dienstleistungen nicht bar bezahlt haben.

Hintergrund:

Die Pflegeversicherung erstattet nicht sämtliche Kosten, die durch Pflege entstehen können. Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen müssen oft 500 Euro monatlich oder noch mehr selbst tragen, weil Rente oder Ersparnisse nicht ausreichen.
Die zusätzlichen Ausgaben sind steuerlich absetzbar, denn Pflege gilt als ‚außergewöhnlich Belastung‘, Kosten können hier in unbegrenzter Höhe geltend gemacht werden. Allerdings gibt es eine ‚zumutbare Belastung‘, dass heißt einen Sockelbetrag, der nicht absetzbar ist.

Dieser beträgt je nach Einkommen und Familienstand ein bis sieben Prozent des Einkommens. Absetzbar ist also in der Praxis nur das, was an Kosten darüber hinaus angefallen ist.

Praxisbeispiel:

Frau Fischer ist Pflegebedürftig und hat zwei Kinder. Die Pflege organisiert ihr ältester Sohn Martin , der auch jene 9.600 Euro jährlich für die Pflege der Mutter bezahlt, die durch die Pflegeversicherung nicht gedeckt sind. Martin Fischer hat ein Jahreseinkommen von 60.000 Euro. Als nicht abzugsfähige ‚zumutbare Belastung‘ gelten in diesem Fall vier Prozent des Einkommens, also 2.400 Euro. Das bedeutet, dass von seinem tatsächlichen Aufwand von 9.600 Euro 2.400 Euro nicht absetzbar sind. Martin Fischer kann also 7.200 Euro jährlich als ‚außergewöhnliche Belastung‘ steuerlich geltend machen, will sagen von seinem zu versteuernden Einkommen abziehen.

Und nicht nur das: Jene 2.400 Euro, die Martin Fischer auf dem oben skizzierten Weg noch nicht absetzen konnte, sind auf andere Weise dennoch absetzbar, nämlich als ‚haushaltsnahe Dienstleistung‘. Das Finanzamt erkennt hier zusätzlich Ausgaben von maximal 20.000 Euro pro Jahr zu 20 Prozent an. Im vorliegenden Fall ergibt sich aus den 2.400 Euro also ein zusätzlicher Steuerbonus von 480 Euro im Jahr. Diese Vergünstigung gilt pro Haushalt und nicht pro Pflegebedürftigem, wenn beide Eltern pflegebedürftig sind und im gemeinsamen Haushalt leben, werden ebenfalls maximal 20.000 Euro anerkannt und nicht etwa 40.000.

In der Praxis kann Martin Fischer also die gesamten 9.600 Euro jährlich, die er für die Pflege der Mutter aufwendet, steuerlich geltend machen. Seit 2008 muss dazu keine Pflegestufe mehr anerkannt und auch keine Pflegebedürftigkeit mehr nachgewiesen werden. Den Steuervorteil bekommt derjenige, der die Kosten tatsächlich trägt, dass kann sowohl der Pflegebedürftige selbst als auch ein Angehöriger sein.

Selbstverständlich kann Martin Fischer all jene Kosten nicht geltend machen, die die Pflegeversicherung erstattet. Und zwar gilt dies ausdrücklich auch für Zuwendungen einer privaten Pflegeversicherung. Pflegebedürftige, die Anspruch auf den Behinderten-Pauschbetrag haben, dürfen nicht zusätzlich den Steuerbonus für Haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch nehmen.