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Gesundheit und Wohnen im Alter

24. August 2017

Was ändert sich bei der Pflege 2015?

Was ändert sich bei der Pflege 2015?

Mehr Leistungen, mehr Möglichkeiten für die Betreuung zu Hause – und natürlich höhere Beiträge: Bei der Pflege ändert sich 2015 ganz viel. Hier finden Sie alle Details und alle Zahlen.

Die Bundesregierung hat zwei sogenannte Pflegestärkungsgesetze beschlossen. Das erste Gesetz sieht viele  Verbesserungen für Pflegebedürftige ab dem 1. Januar 2015 vor – und höhere Beiträge.

Durch das zweite Pflegestärkungsgesetz sollen aus drei Pflegestufen mindestens fünf werden, wodurch sich auch das Begutachtungsverfahren von Pflegebedürftigen ändern wird.
Wann dieses zweite Gesetz in Kraft tritt, steht allerdings noch nicht fest.

 

Welche Änderungen gibt es ab 2015 in der ambulanten Pflege?

Mehr Pflegegeld:

Pflegegeld kann der Pflegebedürftige in Anspruche nehmen, wenn Angehörige oder Ehrenamtliche die Pflege übernehmen. Das Pflegegeld kann auch mit Pflegesachleistungen kombiniert werden.

Die neuen monatlichen Beträge in Euro:

ab 2015 bisher
Pflegestufe 0
(mit Demenz)
123 120
Pflegestufe 1 244 235
Pflegestufe 1
(mit Demenz)
316 305
Pflegestufe 2 458 440
Pflegestufe 2
(mit Demenz)
545 525
Pflegestufe 3 728 700
Pflegestufe 3
(mit Demenz)
728 700

 

Mehr Geld für Pflegesachleistungen:
Pflegesachleistungen werden für die Bezahlung eines ambulanten Pflegedienstes verwendet und sind mit dem Pflegegeld kombinierbar.

Die neuen monatlichen Beträge in Euro:

ab 2015 bisher
Pflegestufe 0
(mit Demenz)
231 225
Pflegestufe 1 468 450
Pflegestufe 1
(mit Demenz)
689 665
Pflegestufe 2 1144 1100
Pflegestufe 2
(mit Demenz)
1298 1250
Pflegestufe 3 1612 1550
Pflegestufe 3
(mit Demenz)
1612 1550
Härtefall 1995 1918
Härtefall
(mit Demenz)
1995 1918

 

Änderungen bei Verhinderungs– und Kurzzeitpflege:
Wenn diejenige Angehörige, die normalerweise den Angehörigen pflegt, krank ist oder Urlaub macht, dann bezahlt die Kasse ab dem 1.1.2015 für maximal sechs Wochen (bisher vier) im Jahr eine andere Pflegekraft, die sich in der Zeit der Verhinderung um den Pflegebedürftigen (in seiner Wohnung) kümmert.

Die maximale Erstattung dafür beträgt ab Januar unabhängig von der Pflegestufe 2418 Euro pro Jahr und Pflegebedürftigem. Bisher waren es 1550 Euro.

Ebenfalls neu ist, dass diese Leistung jetzt auch Pflegebedürftige in der Pflegestufe 0 bekommen.
Wer eine Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen möchte, also eine vorrübergehende Pflege in einem Heim, kann dies in Zukunft für bis zu acht Wochen pro Jahr tun – statt bisher für vier.
Die Pflegekasse übernimmt dafür bis zu 3.224 Euro pro Jahr (bei einer Inanspruchnahme von acht Wochen. Bisher waren es 1.550 Euro für maximal vier Wochen).

 

Leistungen der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege kombinierbar –aber es gibt nur unwesentlich mehr Geld:
Wichtig ist: Ansprüche auf Verhinderungs- und Kurzzeitpflege werden ab dem 1.1.2015 aufeinander angerechnet, wie bisher können beide Leistungen zusammen nur insgesamt acht Wochen jährlich in Anspruch genommen werden.
Das bedeutet zugleich, dass es für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zusammen auch nur unwesentlich mehr Geld gibt als bisher: 3224 statt 3100 Euro pro Jahr.

 

Änderungen bei der Tages- und Nachtpflege (teilstationäre Pflege):
Nachtpflege gehört ebenso wie Tagespflege zur Teilstationären Pflege. Pflegebedürftige können entweder Nachtpflege oder Tagespflege in Anspruch nehmen.
Als Nachtpflege bezeichnet man die Betreuung und Pflege vom frühen Abend bis zum folgenden Morgen in einem Pflegeheim. Tagsüber wohnt der Pflegebedürftige in der eigenen Wohnung.
Tagespflege findet entweder in einer speziellen Tagespflegeeinrichtung oder in einem Pflegeheim an Werktagen in der Regel von 8 bis 16 Uhr statt. In der übrigen Zeit leben die Pflegebedürftigen in ihrer eigenen Wohnung.

Auch in dieser teilstationären Pflege gibt es ab 2015 mehr Geld.

Die neuen monatlichen Beträge in Euro:

ab 2015 bisher
Pflegestufe 0
(mit Demenz)
231 0
Pflegestufe 1 468 450
Pflegestufe 1
(mit Demenz)
689 665
Pflegestufe 2 1144 1100
Pflegestufe 2
(mit Demenz)
1298 1250
Pflegestufe 3 1612 1550
Pflegestufe 3
(mit Demenz)
1612 1550

 

Bisher wurden die Bezahlung für Tages- oder Nachtpflege und das Geld für den Pflegedienst aufeinander angerechnet. Für beides zusammen bezahlte die Pflegekasse höchstens 150 Prozent jenes Betrages, den die ausschließliche Betreuung durch einen Pflegedienst gekostet hätte.

Das ändert sich jetzt: Wer einen ambulanten Pflegedienst engagiert, kann künftig Tages- oder Nachtpflege zusätzlich ohne Anrechnung nutzen.

Rechenbeispiel:
Bisher gab es für die Kombination von Tagespflege und ambulanten Pflegesachleistungen in Pflegestufe III maximal 2.325 Euro. Künftig stehen hierfür bis zu 3.224 Euro monatlich zur Verfügung.
Auch Demenzkranke in Pflegestufe 0 profitieren erstmals von dieser Leistung.

 

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Kann ich dem ambulanten Pflegedienst jederzeit kündigen?

Mehr Geld für niedrigschwellige Betreuungsangebote:
Als niedrigschwellige Betreuungsangebote bezeichnet man organisierte Hilfen für pflegebedürftige Menschen, die nicht von einem Pflegedienst erbracht werden. Es kann sich dabei um Haushaltshilfen handeln, die kochen und aufräumen oder um Alltagsbegleiter, die mitgehen zum Friedhof oder auf ein Amt.

Bisher bekamen nur Demenzkranke Geld für solche Alltagshilfen, ab dem 1. Januar 2015 können es alle Pflegebedürftigen bekommen. Für Pflegebedürftige ohne Demenz gibt es dafür monatlich 104 Euro, Demenzkranke bekommen je nach Schwere der Beeinträchtigung 104 oder 208 Euro (bisher: 100 oder 200 Euro).

Dieses Geld kann auch als kleine Aufwandsentschädigung für ehrenamtliche Helfer verwendet werden, Freunde oder Nachbarn zum Beispiel.

Ganz wichtig:
Zusätzlich können Pflegebedürftige ab 2015 bis zu 40 Prozent des Pflegesachleistungsbetrags (also des Geldes, das bisher der ambulante Pflegedienst bekommt) für solche niedrigschwelligen Hilfsangebote verwenden.

Es besteht dann zum  Beispiel die Möglichkeit, den Pflegedienst statt zweimal nur noch einmal täglich kommen zu lassen und das gesparte Geld für selbst organisierte Hilfen zu verwenden.Ziel dieser neuen Bestimmung ist es, wegzukommen von der über-professionalisierten Minutenpflege und hin zu mehr Selbstbestimmung der Hilfebedürftigen.
Die Regelung ist ein echter Fortschritt, der Pflegebedürftigen und ihren Familien dabei helfen kann, ein flexibles Netzwerk von Hilfen aufzubauen.

 

Mehr Zuschüsse für Umbaumaßnahmen und Pflegehilfsmittel:
Für Rollstuhlrampen, begehbare Duschen oder die Verbreiterung von Türen, die es Pflegebedürftigen ermöglichen, im eigenen Zuhause oder in einer Pflegewohngemeinschaft zu bleiben, gibt es künftig statt bis zu 2.557 Euro bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme.

Leben mehrere Pflegebedürftige gemeinsam in einer Wohnung, können sie statt bis zu 10.228 Euro jetzt gemeinsam bis zu 16.000 Euro pro Maßnahme erhalten. Auch die Zuschüsse zu Pflegehilfsmitteln, die im Alltag verbraucht werden, werden angehoben: von bis zu 31 Euro auf bis zu 40 Euro je Monat.

 

Mehr Unterstützung für neue Wohnformen:
Der sogenannte Wohngruppenzuschlag, den Pflegebedürftige aus der Pflegeversicherung erhalten, wenn sie in einer ambulant betreuten Wohngruppe mit mindestens drei Pflegebedürftigen eine Pflegekraft beschäftigen, steigt auf 205 Euro pro Monat.

Außerdem kann die Anschubfinanzierung für die Gründung einer solchen ambulant betreuten Pflege-Wohngruppe (bis zu 2.500 Euro je Pflegebedürftigem, maximal 10.000 Euro insgesamt je Wohngruppe) künftig einfacher in Anspruch genommen werden.

Wichtig: Beide Leistungen, also Wohngruppenzuschlag und Anschubfinanzierung, stehen künftig auch Demenzkranken in Pflegestufe 0 („Personen mit dauerhaft erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“) zu.

 

Geänderte Familienpflegezeit:
Die sogenannte Familienpflegezeit gibt es seit dem 1.1.2012, ab dem 1.1.2015 besteht ein Rechtsanspruch darauf.
Es gibt drei Arten von Leistungen:

Erstens kann jeder Arbeitnehmer bis zu zehn Tage seinem Arbeitsplatz fernbleiben, um die Pflege eines Angehörigen zu organisieren. Für diese Zeit hat er Anspruch auf „Pflegeunterstützungsgeld“ aus der Pflegekasse in Höhe von 90 Prozent seines regulären Einkommens. Diese Regelung gilt für alle Angestellten unabhängig von der Größe des Unternehmens, in dem sie arbeiten.

Zweitens können sich Arbeitnehmer, die Angehörige pflegen, für maximal 6 Monate unbezahlten Urlaub nehmen. Der Betroffene kann für diese Zeit als Lohnersatz einen zinslosen Kredit vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bekommen.

Drittens können Arbeitnehmer, die einen Angehörigen pflegen, bis zu zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren. Das heißt, sie müssen weiterhin mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten.

Den durch diese Reduzierung erlittenen Einkommensverlust kann der Arbeitnehmer zur Hälfte durch einen zinslosen Kredit des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ausgleichen.

Rechenbeispiel:
Ursprünglicher Nettoverdienst pro Monat: 2000 Euro.
Nettoverdienst nach Verringerung der Arbeitszeit wegen Familienpflege: 1000 Euro.
Zinsloser Kredit: 500 Euro pro Monat.
Der Kredit muss innerhalb von vier Jahren nach Ende der Familienpflegezeit zurückgezahlt werden. In Härtefällen kann diese Rückzahlung aufgeschoben werden, ohne dass dabei Zinsen anfallen.

Für alle drei Varianten gilt: Ab dem 1.1.2015 besteht ein Rechtsanspruch darauf. Allerdings gilt das für die Varianten ein und zwei nur in Betrieben mit mehr als 25 Beschäftigten.

Während der Familienpflegezeit genießen Arbeitnehmer Kündigungsschutz.
Die Familienpflegezeit muss spätestens zehn Tage vor Inanspruchnahme beim Arbeitgeber beantragt werden.

Nimmt ein Arbeitnehmer alle drei Varianten der Familienpflegezeit in Anspruch, dann darf diese Zeit insgesamt nicht länger als 24 Monate dauern.
Warum die Familienpflegezeit kritisiert wird.

 

Was ändert sich in der Vollstationären Pflege?

Auch die Leistungen für Heimbewohner werden erhöht.

Die neuen monatlichen Beträge in Euro:

ab 2015 bisher
Pflegestufe 0
(mit Demenz)
0 0
Pflegestufe 1 1064 1023
Pflegestufe 1
(mit Demenz)
1064 1023
Pflegestufe 2 1330 1279
Pflegestufe 2
(mit Demenz)
1330 1279
Pflegestufe 3 1612 1550
Pflegestufe 3
(mit Demenz)
1612 1550
Härtefall 1995 1918
Härtefall
(mit Demenz)
1995 1918

 

Mehr zusätzliche Betreuungskräfte:
Dabei handelt es sich um Helfer ohne Pflegeausbildung, in den Heimen die Pflegekräfte entlasten, indem sie mit den Bewohnern zum Beispiel spazieren gehen oder ihnen vorlesen. Für sie steht ab Januar eine Milliarde Euro mehr aus der Pflegeversicherung zur Verfügung, die Heime sollen damit statt bisher 25.000 in Zukunft 45.000 Betreuungskräften bezahlen können.
Außerdem dürfen sich die Helfer künftig um alle Bewohner kümmern und nicht nur um Demenzkranke wie bisher.

 

Was ändert sich für Demenzkranke?

Bislang bekamen Menschen, die zwar vieles nicht mehr selbst konnten, deren von der Pflegekasse attestierter Pflegebedarf aber unterhalb der Pflegestufe I lag – also die Menschen in der sogenannte Pflegestufe 0 – kaum Geld von der Kasse.
Zukünftig schon: Ab Januar kann diese Gruppe auch Geld für Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege sowie Zusatzleistungen für Mitglieder ambulant betreuter Wohngruppen erhalten.
Außerdem bekommen auch Demenzkranke in Pflegestufe 0 auf Antrag den Wohngruppenzuschuss und die Anschubfinanzierung für eine ambulant betreute Wohngruppe.

 

Was ist der „Pflegevorsorgefonds“?

Mit dem Pflegevorsorgefonds sollen, so sagt es das Bundesgesundheitsministerium, mögliche Beitragssteigerungen in der Zukunft abgefedert werden.

Zitat:
„Um die Beitragsbelastung künftiger Generationen und der jetzt jüngeren Menschen in den Jahren zu begrenzen, in denen die geburtenstarken Jahrgänge ins „Pflegealter“ kommen, wird ein Pflegevorsorgefonds in Form eines Sondervermögens gebildet, der von der Bundesbank verwaltet wird. In diesen Fonds werden ab 2015 jährlich die Einnahmen aus 0,1 Beitragssatzpunkten (derzeit rd. 1,2 Mrd. Euro) eingezahlt.
Ab dem Jahr 2035 kann dann jährlich über einen Zeitraum von mindestens 20 Jahren jeweils bis zu einem Zwanzigstel des angesammelten Kapitals an den Ausgleichsfonds der Pflegeversicherung abgeführt werden, um so übermäßige Beitragssatzsteigerungen abzufedern.

“Einfacher ausgedrückt soll in Zeiten, in denen noch nicht so viele Menschen pflegebedürftig sind, Geld zurückgelegt werden, das dann ab 2035 – zusätzlich zu den regulären Beiträgen – in die Pflegeversicherung eingezahlt wird.
Mit dem zusätzlichen Geld damit diese die ab 2035 steigenden Ausgaben bezahlen kann, ohne die monatlichen Beiträge der Versicherten extrem zu erhöhen.
Ab 2035 werden die Ausgaben der Pflegeversicherung deshalb stark steigen, weil ab dann mehrere sehr geburtenstarke Jahrgänge – die um 1960 Geborenen – ins Pflegealter kommen.

Am Pflegevorsorgefonds gab es von Beginn an viel Kritik.
Drei Punkte standen dabei im Vordergrund:
Erstens sagt (sogar) die Bundesbank, es sei nicht möglich, zu verhindern, dass der Finanzminister das Geld bei Bedarf zweckentfremdet.
Zweitens ist der Fond nach Ansicht von Experten zu klein, um die gewünschten Effekte zu erzielen.
Und drittens wird der Topf voraussichtlich genau dann leer sein, wenn die höchste Zahl der Pflegebedürftigen (Ende der 2050er Jahre) erreicht ist.

 

Wie ändern sich die Beiträge zur Pflegeversicherung?

Am 1. Januar 2015 wird der Beitragssatz in einem ersten Schritt um 0,3 Prozentpunkte auf 2,35 Prozent des Bruttoeinkommens (2,6 Prozent für Kinderlose) steigen.
Die Mehreinahmen betraten 3,6 Milliarden Euro jährlich. 1,4 Milliarden davon fließen in Verbesserungen für die Pflege zu Hause, eine Milliarde Euro steht den Pflegeheimen zur Verfügung, mit 1,2 Milliarden Euro pro Jahr wird der beschriebene Pflegevorsorgefonds gespeist.
Mit dem zweiten „Pflegestärkungsgesetz“ – von dem noch niemand weiß, wann es in Kraft tritt – sollen die Beiträge zur Pflegeversicherung nochmals um 0,2 Prozentpunkte steigen.