Antworten zu häuslicher Pflege,
Gesundheit und Wohnen im Alter

23. Oktober 2017

Aktualisiert: Was ist die Familienpflegezeit?

Aktualisiert: Was ist die Familienpflegezeit?

Die Familienpflegezeit soll es – ähnlich wie die Pflegezeit – Angehörigen von Pflegebedürftigen ab dem 1.1.2015 noch besser ermöglichen, häusliche Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren. Die Regelungen im Detail.

Erstens kann jeder Arbeitnehmer bis zu zehn Tage seinem Arbeitsplatz fernbleiben, um die Pflege eines Angehörigen zu organisieren. Für diese Zeit hat er Anspruch auf „Pflegeunterstützungsgeld“ aus der Pflegekasse in Höhe von 90 Prozent seines regulären Einkommens. Diese Regelung gilt für alle Angestellten unabhängig von der Größe des Unternehmens, in dem sie arbeiten.

Zweitens können sich Arbeitnehmer, die Angehörige pflegen, für maximal 6 Monate unbezahlten Urlaub nehmen. Der Betroffene kann für diese Zeit als Lohnersatz einen zinslosen Kredit vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bekommen.

Drittens können Arbeitnehmer, die einen Angehörigen pflegen, bis zu zwei Jahre lang ihre Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden reduzieren. Das heißt, sie müssen weiterhin mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten.

Den durch die Reduzierung erlittenen Einkommensverlust kann der Arbeitnehmer zur Hälfte durch einen zinslosen Kredit des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben ausgleichen.

Rechenbeispiel:

Ursprünglicher Nettoverdienst pro Monat: 2000 Euro.
Nettoverdienst nach Verringerung der Arbeitszeit wegen Familienpflege: 1000 Euro.
Zinsloser Kredit: 500 Euro pro Monat.
Der Kredit muss innerhalb von vier Jahren nach Ende der Familienpflegezeit zurückgezahlt werden. In Härtefällen kann diese Rückzahlung aufgeschoben werden, ohne dass dabei Zinsen anfallen.

Für alle drei Varianten gilt: Ab dem 1.1.2015 besteht ein Rechtsanspruch darauf.
Allerdings gilt das für die Varianten zwei und drei nur in Betrieben mit mehr als 25 Beschäftigten.
Während der Familienpflegezeit genießen Arbeitnehmer Kündigungsschutz.
Die Familienpflegezeit muss spätestens zehn Tage vo Inanspruchnahme beim Arbeitgeber beantragt werden.

Nimmt ein Arbeitnehmer alle drei Varianten der Familienpflegezeit in Anspruch, dann darf diese Zeit insgesamt nicht länger als 24 Monate dauern.

Kritik an der Regelung:

Erster Punkt ist die Beschränkung auf maximal zwei Jahre, denn statistisch werden viele Pflegebedürftige sechs bis acht Jahre lang gepflegt.

Zweitens: Beginn und exakte Dauer der sechsmonatigen Auszeit müssen nach wie vor schon bei Antragstellung festgelegt werden. Außerdem können die sechs Monate nicht in mehrere Zeitabschnitte untergliedert, sondern nur am Stück genommen.

Drittens: Der in Aussicht gestellte Kredit kann eine Hilfe sein, andererseits können dabei nicht unerhebliche Schulden entstehen, die immer auch eine Belastung sind.

Viertens führt die Begrenzung der Regelung auf Betriebe mit mehr als 25 Mitarbeitern dazu, dass ca. sieben von 30 Millionen Arbeitnehmern in Deutschland keinen Rechtsanspruch auf die Familienpflegezeit haben.