Antworten zu häuslicher Pflege,
Gesundheit und Wohnen im Alter

26. Juni 2017

Was ist Verhinderungspflege?

Was ist Verhinderungspflege?

Wenn zum Beispiel diejenige Angehörige, die normalerweise den Angehörigen pflegt, selbst krank ist oder Urlaub macht, dann bezahlt die Kasse ab dem 1.1.2015 für maximal sechs Wochen im Jahr eine andere Pflegekraft.

Die maximale Erstattung dafür beträgt ab Januar unabhängig von der Pflegestufe 2418 Euro pro Jahr  und Pflegebedürftigem. Bisher waren es 1550 Euro.

Ebenfalls neu ist, dass diese Leistung jetzt auch Pflegebedürftige in der Pflegestufe 0 in Anspruch nehmen können.

Allerdings gilt das ab dem 1.1.2015 „unter entsprechender Anrechnung auf den Anspruch auf Kurzzeitpflege“.
Im Klartext: Wie bisher können beide Leistungen zusammen nur für insgesamt acht Wochen jährlich in Anspruch genommen werden.
Das bedeutet zugleich, dass es für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege zusammen auch nur unwesentlich mehr Geld gibt als bisher:
3224 statt 3100 Euro pro Jahr.

Verhinderungspflege ist Pflege in der Wohnung des Pflegebedürftigen – im Gegensatz zur Kurzzeitpflege, die in einem Pflegeheim stattfindet. Verhinderungspflege wird geleistet von einem dafür zugelassenen ambulanten Pflegedienst oder von einer dem Pflegebedürftigen nahestehenden Person.
Den Antrag dazu müssen Sie bei Ihrer Pflegekasse stellen.

Sinn dieser „Häuslichen Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson“ – wie es offiziell heißt – ist es, pflegende Angehörige für eine gewisse Zeit von ihrer Aufgabe zu entlasten. Damit sie zum Beispiel einmal in Urlaub fahren können. Wichtig: Während einer solchen Abwesenheit mit Verhinderungspflege bekommt der pflegende Angehörige kein Pflegegeld.

Voraussetzung, um eine Verhinderungspflege zu erhalten: Der Pflegende muss die Pflegebedürftige mindestens ein halbes Jahr lang gepflegt und dabei von der Pflegeversicherung Pflegegeld erhalten haben.

Ist die Verhinderungspflege so aufwändig und teuer, dass das Geld der Pflegekasse dafür nicht reicht, dann kann für die nicht gedeckten Kosten das Sozialamt in Anspruch genommen werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Rente und das sonstige Einkommen des Pflegebedürftigen so niedrig sind, dass er Anspruch auf Leistungen vom Sozialamt hat.

Verhinderungspflege kann auch kurzfristig genutzt werden, etwa wenn das pflegende Familienmitglied einmal abends ausgehen möchte. Ablauf und Konditionen sollten allerdings vorher mit der Pflegekasse abgesprochen werden.

Ist die Pflegeperson eng mit dem Pflegebedürftigen verwandt/verschwägert oder wohnt sie mit ihm zusammen, dann ist der Betrag auf das der Pflegeperson zustehende Pflegegeld beschränkt. Wer beweisen kann, dass er darüber hinaus gehende Ausgaben hatte, bekommt diese bis zu einer Höhe von 1470 Euro jährlich ersetzt. Verträge zwischen den Beteiligten helfen hier, anfallende Kosten der Pflegeversicherung gegenüber zu beweisen.

Wichtig: Es sind Fälle bekannt geworden, in denen Mitarbeiter der Pflegekassen Anträge auf Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt oder sogar falsche Informationen gegeben haben.
Auf Verhinderungs- und Kurzzeitpflege besteht ein Rechtsanspruch, und hier gibt es keinerlei Unterschiede zwischen Regionen oder Bundesländern.